(1) Kapr,K (2031) - Fuchs,D (1887) [C99]
Lichtenberger Sommer 2019 Berlin (9.25), 25.08.2019

Die letzte Runde im LiSo 2019. Mein Opponent hat starke Gegner besiegt und über seiner Wertungszahl gespielt. Meine Performance war eher bescheiden. Eine Schwarzpartie von ihm gegen 1.e4 fand ich nicht, also ergab sich keine konkrete Vorbereitung.

1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.0-0 Be7 6.Re1 b5 7.Bb3 d6 8.c3 0-0 9.h3 Na5 10.Bc2 c5 11.d4 Qc7 12.Nbd2 cxd4 13.cxd4 Bd7 14.Nf1 Rfe8 15.b3
Den Zug lobte mein Gegner hinterher als den stärksten, damit waren wir beide raus aus den jeweiligen Vorkenntnissen.

15...Rac8 16.Bd3
[16.Ne3 Entwicklung, der Ld3 steht der dort nicht gut, muss also wieder ziehen.]

16...exd4
Später wurde der Zug als ungenau vom Nachziehenden erkannt.

17.Bb2
Sofort nehmen, wäre schwächer, dachte ich während der Partie, denn Schwarz kann mit d5 und Lb4 Gegenspiel organisieren, was sein Plan war. [Ich sah hier 17.Nxd4 d5 (17...Nb7 ) 18.exd5 (18.e5 Bb4 ) 18...Nxd5 19.Bb2 Nf4 ]

17...Nc6
[Aber Schwarz kann gerade hier gut kontern z.B. mit 17...Nc4 18.bxc4 bxc4 19.Rc1 Qb7 20.Bxc4 Qxb2 ]

18.Rc1 Qa5?
Der Gegner sah hier einen vermeintlichen Tempogewinn. [Die Dame bleibt aber jetzt vom Spiel weitgehend ausgeschlossen, nimmt dem Ld7 die zusätzliche Deckung und sollte eher ziehen nach: 18...Qa7 19.Ng3 Bd8 20.Nf5 Bxf5 21.exf5 Rxe1+ 22.Qxe1 Bb6 ]

19.Bb1 d5
Für den letzten Zug hatte mein Gegner viel Zeit verbraucht, wie auch bei den folgenden Zügen. Zurecht, es boten sich offenbar für beide Seiten kombinatorische Lösungen an. Ich fand aber nichts Konkretes. Hier fiel mir ein Gespräch mit Matthias Sch. ein. Er hatte in einer Partie mit Italienisch eröffnet und gewonnen. Ich fragte ihn, wie man mit der Eröffnung auf Sieg rechnen könne. Er erwiderte, man muss mit einfachen Mitteln gewinnen. Rätselhaft. Während der Partie verstand ich vielleicht, was gemeint war. Ohne sonstige Orientierung versuchte ich nun in der Stellung das Rezept (einfache oder naheliegende Züge) zu nutzen. [Besser war 19...Bf8 20.Nxd4 Ne5 oder; 19...Nh5 20.Nxd4 Nxd4 21.Bxd4 Rxc1 22.Qxc1 Rc8 23.Qe3 ]

20.exd5
Nur der Zug bringt Vorteil. [20.Nxd4 Nxe4 ; 20.Ng3 dxe4 21.Nxe4 Nxe4 22.Bxe4 ; 20.e5 Ne4 ]

20...Nxd5 21.Nxd4
Und siehe da, Weiß steht klar besser. Der Nachziehende dachte lange nach und fand nicht das Beste.

21...b4
[Der Textzug kam für mich überraschend, änderte aber nichts an meinem Vorgehen. In Frage kam: 21...Nxd4 22.Qxd4 Nf6 23.Bxh7+ Kxh7 24.Qd3+ g6 25.Rxe7 Rxe7 26.Rxc8 Bxc8 27.Bxf6 ]

22.Nxc6 Bxc6
[22...Rxc6 23.Rxc6 Bxc6 24.Qc2 g6 25.Qxc6 ]

23.Qg4 Bf6
[23...Nc3 24.Bxc3 bxc3 25.Rxe7 h5 26.Rxe8+ Rxe8 27.Qg3 Qd5 28.Rxc3 Bb5 29.Re3 Rd8 30.a4 Bxf1 31.Kxf1 Qd2 32.Qf3 Qd1+ 33.Qxd1 Rxd1+ ]

24.Rxc6
In der Praxis helfen solche eigenen Erkenntnisse oder Hinweise Dritter als Eselsbrücken zur Wahl des passenden Zuges, wie gesehen in der Partie. 1-0