Marathonblitz in Spanien
Marathon Blitzturnier – man gönnt sich ja sonst nichts!
Am letzten Samstag fand ein 17-ründiger Blitzmarathon in der andalusischen Küstenstadt Rincón de la Victoria statt, die etwa 20min östlich von Málaga liegt. Sie ist sowohl bei Einheimischen als auch Touristen als Tagesausflugsziel beliebt, da sie breite Strände, klares Wasser und vielerorts gute Küche in Strandnähe zu bieten hat.
Das Turnier selbst war die 2. Auflage und fand im Sportzentrum der Stadt auf einem überdachten Basketball-Trainingsfeld statt. Es waren 140 Spieler/innen am Start und es wurde in zwei Blöcken gespielt: 10 Runden – 2 Std Mittagspause – 7 Runden – Siegerehrung. Wir wurden vorgewarnt, uns lieber eine Jacke mitzubringen, falls es doch kühl werden sollte – und es wurde es, mächtig sogar.
Von meinem hiesigen Schachclub „Algazara“ kam eine siebenköpfige, buntgemischte Delegation, deren Alterspräsidentschaft mir zukam. Es waren viele bekannte Gesichter vom kürzlichen Osterturnier in Coín zugegen (siehe Bericht), was die familiäre Atmosphäre für mich persönlich weiter steigerte. Ich hatte mir kein Ziel gesetzt, sondern wollte nurmehr bekannte Stellungsbilder auffrischen und einfach Spaß haben.

Von den Partieverläufen her war bei mir alles – aber auch alles! – vertreten. Hier ein paar Streiflichter…
In Runde 1 saß mir ein drolliger 9-jähriger gegenüber. Er nahm schön brav meinen „offenen Philidor“ an und behielt erstaunlich gut die Übersicht. Ich ließ ihm ein übersehenes Schachgebot ohne Schiri-Einsatz durchgehen (wo dem Sünder normalerweise 15 Sek abgezogen werden). Er tauschte alles runter und hielt die Endspielkasse, sodass ich wenig später Remis bot, denn er hatte gut gespielt und ich wollte nicht gleich in der ersten Runde zu viel Gehirnschmalz verbraten, um auf Krampf noch einen Gewinnweg zu finden.
Zur Runde 2 bekam ich meine 11-jährige „Angstgegnerin“ vom Osterturnier vorgesetzt, die mich dort komplett zerlegt hatte. Heuer stellte sie aber schon früh einzügig ihre Dame ein. Damit war die Revanche gelungen – puh!
In der nächsten Runde unterlag ich in einer spannenden Partie einem betagten MA, der mich letztlich taktisch ausmanövrierte. Es folgten gemischte Leistungen von gut herausgespielten Siegen bis völlig verkorksten Eröffnungskatastrophen. Dann in Runde 8 ein weiteres Wiedersehen: ich hatte die WIM vom Osterturnier vor mir. Sie wählte ein sehr seltenes Abspiel in meinem Philidor, das jedoch ein kleiner Geheimfavorit von mir ist, denn er birgt eine frühe Falle. Da ich diese Stellung aber seit Unzeiten nicht mehr auf dem Brett hatte, fiel mir die entscheidende Fortsetzung nicht ein. Also stellte ich lieber einen Bauern und unmittelbar danach eine Figuren ein. Das somit schnelle 1:0 sparte wenigstens Kraft.

(Foto: Jacob González)
Nach 10 Runden standen 4,5 Pkt zu Buche. Mit einem Vereinskamera den ging es zum Mittagessen in ein Strandrestaurant, die eine leckere „Meeresfrüchte-Paella“ anboten, wobei wir uns bei der Menge zurück hielten, denn mit vollem Bauch würden wir sonst später am Brett einschlafen.
Zum Neustart des zweiten Blocks bekam ich einen anderen Vereinskameraden zugelost. Ich meinte zu ihm, dass wir doch einfach Remis machen und somit etwas schonen könnten. Er wollte aber schon ein bissel spielen (und sicher seine Chancen ausloten). Als er dann nur noch ein Trümmerhäuflein übrig hatte, bot ich Remis, das er erst nicht annehmen wollte, ich aber milde drauf bestand, sodass er glücklich annahm. Er betonte aber hinterher bei allen Nachfragen, wie unser Match verlaufen sei, wie „ritterlich“ ich ihm das Remis geschenkt hätte, was mir viel Schulterklopfen einbrachte.

Nach einer blitzsauberen Gewinnpartie mit meiner geliebten Englisch Badewanne, mit der mein junger Gegner so gar nichts anzufangen wusste, bekam ich anschließend mit Schwarz als Belohnung meinen „offenen Philidor“ aufs Brett, der zum Highlight der Irrungen und Wirrungen wurde. Ich stellte früh 2 Bauern ein, konnte diese aber nach und nach zurückgewinnen, wonach ein Endspiel mit nur noch a,b,h-Bauern auf beiden Seiten entstand. Mein König stand zentral, seiner am Königsflügel auf der 3. Reihe. Ich erinnerte mich an unseren „Doktor“, der mir vor Äonen mal Tempi-Zählen „verschrieb“. Mit noch knapp 2min auf der Uhr begann ich das (langsame) Auszählen, welches ergab, dass ich zuerst zur Damenumwandlung einziehe würde. Und los ging’s – mit den (W)Irrungen. Im Damenendspiel hatte ich zusätzlich noch den a-Bauern. In meiner argen Zeitnot bot ich Remis. Er lehnte ab. Ich fand glücklicherweise eine kurze Kombi, mit der ich durch ein Schachgebot, nicht nur den Damentausch erzwang, sondern zudem meinen a-Bauern auf die b-Linie bekam. Jetzt bot er Remis. Ich lehnte ab. Kurz darauf stand folgendes auf dem Brett: sein König auf c3, meiner auf b1 und mein Bauer auf b3. Ich war am Zug und es kam wie es kommen musste: ich machte den zweiten Zug vor dem ersten – Kc1. Er schaute völlig perplex aufs Brett und nahm eilends auf b3. Ich war völlig verwirrt, verstand nicht was passiert war und reklamierte unmöglichen Zug! Dann zeigten er und ein zufällig zuschauender Schiri, was geschehen ist und ich einfach die Züge vertauscht habe, sprich erstmal den Bauern nach b2 ziehen und anschließend den König aus dessen Einflugschneise nehmen. So war’s nur Remis. Au weia!

In der nächsten Partie gewann ich früh die Dame meines Gegners, schaffte es aber anschließend, meine Figuren so derart ineinander zu verschachteln, dass ich nur noch mit Rückopfer meiner Dame freikam, trotzdem 2 Figuren mehr und Gewinnstellung behielt, erleichtert aufatmete, nur um dann dem Fingerzeig meines Gegenübers zu folgen, der auf meine Flagge deutete. Tatsächlich. ZÜ. Das war als hätt’s eine mit dem Streitkolben auf den Blechhelm gesetzt.
Am Ende kam ich mit 8,5 Punkten (50%) auf dem 76. Platz ein und holte das nach Wertung zweitbeste Ergebnis innerhalb meiner Club-Delegation. Ein keiner Trost.
Überraschend überlegener Sieger des Turniers wurde der IM Andres Merario und erhielt dafür ein Preisgeld von 500€. Gegen ihn hatte ich 2014 mal in einem Qualifikationsturnier gespielt, als er noch zarte 2100 ELO hatte.
Alles in allem war es super Turnier. Die 17 Runden waren nicht übermäßig anstrengend und das Ambiente entspannt. Das werde ich im nächsten Jahr sicher wiederholen. Und wenn sich ein Friese einklinken möchte…warum nicht! 🙂
Ergebnisse
Bericht (esp) mit Fotos

