Osterturnier in Andalusien

Hier ein Bericht von meinem 7-rundigen Osterturnier. Ich möchte niemanden mit vollständigen Partien langweilen, weshalb ich für Stellungsbilder optiert habe.

„ELO-Anpassung“
Seit dem LiSo 2010 hatte ich kein richtiges Turnier mehr gespielt und nun stand das Internationale Open über Ostern in Coín an, einer andalusischen Kleinstadt ca. 35km westlich von Malaga in den Bergen gelegen. Leider ist die Ortschaft äußerst trist und selbst ihr altes Zentrum läßt jegliche andalusische Anmut missen. Das Turnier war aber sehr gut organisiert und fand in einem ehemaligen Mönchskloster statt, dass einen hellen, gut belüfteten und dennoch kellerkalten Turniersaal zu bieten hatte, was im krassen Kontrast zu den heißen Außentemperaturen stand. Es waren 134 Spieler und Spielerinnen aller Altersklassen am Start, angeführt vom lokalen Großmeister Carlos Matamoros, der auch das Turnier überlegen mit 6,5/7 gewann. Übrigens: sein Zuname bedeutet „Moorenschlächter“ – ein uralter spanischer Name, der noch auf die Zeit der Rückeroberung der iberischen Halbinsel im Mittelalter durch christliche Königreiche zurückgeht.

Meine einzige Turnierpartie-Praxis seit langer Zeit sammelte ich bei drei Einsätzen der diesjährigen Saison in der Regionalliga von Malaga, wodurch meine ELO-Zahl mächtig litt (von 1819 auf 1764).

Der Turnierrhythmus hatte es in sich: es wurde 1 Std +30 Sek/Zug gespielt, kein Remis vor dem 30. Zug erlaubt und die 7 Runden an 3 Tagen, sprich 2 Rd. + 2 Rd. + 3 Rd. Eines noch vorweg: meine Partei-Streiflichter unten sind nicht Computer-geprüft und beruhen einzig auf Eindrücke, Gespräche und Kurzanalysen mit meinen Gegnern.

Meine erste Partie gewann ich kampflos gegen eine ELO-lose Spielerin.
Die 2. Runde musste ich dann gegen eine WIM ran – Ehefrau des o.g. GMs. Ich bekam als Weißer meine geliebte „Badewanne“ aufs Brett (Bauern auf a2, b3, c4, d3, de3, f4, g3, h2) und es entstand folgende Stellung. Ich hatte gerade ihr 17. … f5 mit 18. e4 beantwortet. Dann schlug der Blitz ein:

WIM Paloma Gutierrez Castillo 1960 – Thilo Brauer 1764

18. … Sxd3 — Huch! Geht das doch? Hab ich wirklich was übersehen?
Partie

Ein Unentschieden gegen eine WIM war schon mal ein toller Auftakt und tröstete mich etwas über die verschandelte Gewinnstellung hinweg, aber die Partie hat mich viel Kraft gekostet und ich war völlig ausgelaugt. Für die 3. Runde am nächsten Tag wurde mir ein 2000er zugelost, der kürzlich in der Mannschaftsmeisterschaft gegen unser 12-jähriges 2100er Spitzenbrett gewann. Zeit, Revanche zu nehmen, gell? Ich spielte mit Schwarz meinen „offenen Philidor“, den er wohlweislich im 4. Zug mit Sf3 ablehnte (also nicht auf e5 rausnehmen mit anschließendem Damentausch auf d8). Es entspann sich eine sehr dynamische Partie, in der wir beide sicher nicht immer optimal fortsetzten, sich aber interessante Ideen ergaben. Letztlich landeten wir in folgender Stellung.

Diego Gonzalez Serrato 2039 – Thilo Brauer 1764

20. … Lg5 — Eine Ressource, die mein Gegner nicht auf dem Radar hatte und ausdrücklich nach der Partei lobte, weil er Le6 erwartet hatte, was mir aber so gar nicht gefallen wollte.
Partie

Trotz dieses Verlusts war ich mit dem Verlauf der Partie dennoch zufrieden, da ich nicht völlig überrollt wurde. In der Nachmittagspartie bekam ich eine 11-jährige Spielerin zugelost, die mich derart auseinandernahm, dass ich nur applaudieren konnte. Bekannte aus meinem Schachverein, die ihren Sohn auf das Turnier begleiteten, erzählten mir, dass ihr Vater FM und ihre beiden Brüder IMs seien. Das erklärte dann einiges. Völlig gerädert fuhr ich nach Hause, ging früh ins Bett, weil die erste der 3 Samstagsrunden schon um 9 Uhr begann. Was hatte ich mir da bloß angetan!

Zum „Frühstück“ bekam ich Weiß und einen nach ELO sowie Alter etwa gleichwertigen Gegner vorgesetzt. Unsere gut gekämpfte Partie verlor ich knapp, was auch so in Ordnung ging. Damit stand bei mir die „lange Rochade“ zu Buche. Oh meine schönen, so lange wohlgehüteten ELO-Punkte! Die einzige Frage war jetzt nur noch: lässt sich der „Audi“ verhindern? Die 6. Runde bescherte mir Schwarz gegen einen 9-jährigen 1400er, der mir endlich meinen langersehnten, offenen Philidor gönnte. Ich gewann einen gesunden Mehrbauern und wähnte mich auf der Siegerstraße. Er machte noch tüchtig Betrieb, ich wehrte alle Gefahren ab, aber nachdem ich (wieder mal!) einen Springer nach c7 stellte, schien die Partie zusehends in ein Remis abzudriften. Dann geschah das hier.

Samuel Torres Trujillo 1486 – Thilo Brauer 1764

42. Txb6 e4 — Die alte Regel: Türme müssen hinter die Bauern! Und ich decke auch gleich den Bc5.
Partie

Damit war der „Audi“ perfekt. Diese letzte Partie war die einzige, die mich tatsächlich frustriert hatte. Ich nahm für die 7. Runde ein „Bye“ und verschwand aus diesem Ort, in dem ich keine weiteren 3 Stunden auf den Beginn der letzten Partie warten wollte. Jetzt erklärt sich auch der Titel meines Berichts. Die 1600 ruft!

Turnierseite
Startrang 60
Platz 123

Es grüßt aus dem Süden Spaniens
Euer Thilo (Aufstiegsmannschaft Friesen III)